Auf den Immobiliensuchportalen findet man neben 80% Maklern und 5% Privatleuten noch etwas 15% Hausbaufirmen. Die nehmen meistens ein huebsches Bild eines ihrer Haeuser, was irgendwo in der Landschaft steht, schreiben diverse Zahlen dazu und suggerieren, dass es dieses Haus gibt und man es so kaufen kann. Erst im Kleingedruckten steht dann etwas von einem Bauvorschlag bzw. Projektentwurf. So lassen sich real existierende Haeuser und die die erst noch gebaut werden muessen nicht trennen. Aber gut, Hausbaufirmen erschliessen meist groessere Baugrundstuecke und bieten diese zusammen zum Verkauf an. Also eine gute Idee, sich darauf einzulassen, denn so spart man sich die Grundstueckssuche und die Provision des Maklers.
- Der Laendliche Die erste interessante Anzeige auf immobilienscout24.de hatte ein Bild von einem huebschen Bungalow. Er stand in einem Ort, den man allenfalls von Obststiegen kennt: Gross-Kreutz. Bei der Besichtigung vor Ort gab es keinen Bungalow, sondern nur eine Strasse mit einer Wiese, auf der haette der Bungalow mal stehen sollen. Diese Wiese lag etwas genau zwischen Potsdam und Brandenburg und dort musste man sich auch hinwenden, wenn man ein Haus bauen wollte. Unser Besuch war genauso schlecht geplant wie angekuendigt und so hat man vom Geschaeftsfuehrer der Hausbaufirma viel ueber Waermepumpen und ihren bisherigen Projekten erfahren, ist aber nach 3 Stunden Gespraechsdauer irgendwie nicht weiter gekommen, ausser der Erkenntnis: Ich will hier weg! Bis Berlin sind es auch gut und gerne 40 km und so blieb dieser Auftrag letztlich auf der Landstrasse zwischen Brandenburg und Potsdam liegen.
- Der Billige Die naechste Anzeige warb mit einem wunderschoenen Haus im Gruenen zu einem sagenhaft billigen Preis: 89.000 Euro. Okay, zu dem Zeitpunkt wusste man noch nicht viel, was ein Haus oder Grundstueck kostet. Man hatte nur Vorstellungen, was man gewillt waere, an Geld auszugeben. Es haetten also gut noch ein paar Euro beim Bau drauf gehen koennen, aber auch dieses Haus sollte es zum Schluss nicht gewesen sein. Der Vertreter der Hausbaufirma, diesmal einer bundesweiten Kette, residierte in einem sogenannten Musterhaus. Diese Musterhaeuser wohnen entweder zusammen mit anderen Musterhaeuser anderer Firmen in einem Musterhauspark oder alleine. Der Musterhauspark ist auch eine interessante Einrichtung. Man bezahlt 3 Euro Eintritt, hat je nach Groesse 10 bis 15 Hausbaufirmen und ihre Produkte auf einem Haufen und kann sich alles ansehen. Das Problem ist nur, dass nur bestimmte Typen von Haeusern hingestellt worden sind, die man vielleicht gar nicht haben will und man eine gehoerige Portion Zeit und Nerven mitbringen muss, um sich mit jedem Hausbauvertreter ausnanderzusetzen. Am besten guckt man sich alles an, fasst ueberall Prospekte ab und trollt sich wieder von dannen. Das Musterhaus, um das es hier geht, war sowieso alleine. Dennoch hat sich der Vetreter viel Zeit fuer uns genommen. Nach 3 Stunden war ein grosser Zettel Papier vollgeschrieben und ganz unten stand die Summe: 211. Die Tausender hat man geflissentlich weggelassen, es ging also um 211.000 Euro, die man im aeusserst unguenstigsten Fall fuer den Bau des Hauses ausgeben muesste fuer Baugrube, Strom, Klohaeuschen fuer die Bauarbeiter ... wohlgemerkt, es ging immer noch um das 89.000 Euro Haus aus der Anzeige.
- Der Solide Unser Haus sollte als Aussenfasse Klinker haben. Warum also nicht die Hausbaufirma danach aussuchen, die sich genau auf sowas spezialisiert hat und der Name Programm ist?! Wieder fanden wir uns in einem Musterhaus wieder, was schon mal so aehnlich aussehen koennte wie unser neues Haus. Das Gespraech war auch nicht so lang wie bei den anderen Anbietern und es wurden eher Sachen ausgeredet als dass uns etwas aufgeschwatzt wurde. Es gab einen interessanten Typ von Bungalow, aber der waere sowieso mit uns noch frei planbar. Oh wie schrecklich! Eigentlich wollten wir doch keine freie Planung. Den Kopf sollten sich doch am besten schon andere zerbrochen haben! Also bekamen wir eine Liste mit Referenzobjekten in die Hand gedrueckt und konnten uns die fertiggestellten Bungalows in Natur ansehen. Nicht schlecht, was da zu sehen war an einem Samstagvormittag. Spontan wurde einer der Hausbesitzer interviewt und er war voll des Lobes ueber diese Firma. Den guten Eindruck hatten wir aber sowieso schon und eine spaetere Handelsregisterauskunft ergab eine grundsolide GmbH. Es gab auch ein kleines buntes Prospekt und eine Baubeschreibung.
- Rambold Toni Dieser Anbieter hat seinen Spitznamen nach dem Bauunternehmer aus der Fernsehserie "Der Bulle von Toelz" geerbt. Erstens stammte er aus aehnlicher Gegend und zweitens war das Geschaeftsgebaren aehnlich. Alles war irgendwie kein Problem und Haeuser bauen tut man auch. Um nicht wieder Zettel mit Zahlenkolonnen zu erben, sollte eine Summe als Festpreis rauskommen mit vergleichbaren Leistungen. 138.000 war der Preis fuer das Sommerangebot.
- Der Insolvente Irgendwann auf der Grundstuecksuche fanden wir ein Grundstueck, wo schon eine Bodenplatte vergossen wurde. Danach wurden die Bautaetigkeiten eingestellt und das Grundstueck stand zum Verkauf. Das Angebot schien verlockend, denn die Bodenplatte war schon mal da und man spart Zeit bei der weiteren Bauerei. Da wir bislang keinen festen Grundriss vom Haus hatten, war der Grundriss der Bodenplatte okay, wenn man sich auch mit den Anschluessen fuer Wasser und Abwasser, also Lage von Kueche und Bad arrangieren kann. DIe Baufirma, die die Bodenplatte hergestellt hatte, gab es nicht mehr.Aber es gab eine Folgefirma, dessen Namen mehr oder weniger identisch war mit dem Namen der Pleite gegangenen Firma. Also los gings mit Verhandlungen mit der neuen Firma. Der erste Termin war schon komisch. Ausgemacht war 9 Uhr im Buero der Baufirma. Kein Mensch da. Kurz vor halb 10 kam dann jemand, der mir noch einredete, der Termin mit dem Geschaeftsfuehrer waere doch fuer 10 Uhr ausgemacht. Naja, kurzer Schnack gehalten und Folgetermin eine Woche spaeter vereinbart. Diesmal gleich 10 Uhr angetreten, wieder die Bude zu. Gewartet, gewartet ... telefoniert ... gewartet ... die Bude sollte auch nicht aufgehen. Vom Vermittler des Grundstuecks erfuhren wir, dass die Firma pleite gemacht hat. Unsere solide Hausbaufirma war vom der Bodenplatte auch nicht gerade angetan. Schliesslich gab es keinerlei Gewaehrleistung und im schlimmsten Fall waere es so, als wenn man das Haus auf Sand baut.
- Der SelbstaendigeDie selbstaendige Hausbaufirma besteht in der Regel aus 1-2 Mitarbeitern. Bei 2 Mitarbeitern ist montags der eine der Chef und dienstags der andere (kleiner Scherz). Solcherlei Firmen haben wir 3 kennengelernt, in Berlin-Hoppegarten, in Dallgow-Doeberitz und in Nauen. Alle machten einen grundsoliden Eindruck. Vom Konzept her suchen sie sich ein Grundstueck, bauen darauf ein Haus nach ihren Vorstellungen und verkaufen das dann. Wenn sie das geschafft haben, bauen sie das naechste Haus. Es steht kein grosser Baukonzern dahinter, es gibt keine bunten Prospekte und keine Werbung - ausser zum Schluss die Anzeige auf immobilienscout24.de. Das Ergebnis ist bei unserer Suche jedesmal als "Haus des Monats" eingegangen..
- Der Ueberzeugte Den letzten Typ Hausbaufirma fanden wir in einem Einkaufszentrum. Es war ein Informationsstand aufgebaut und ein Vertreter machte Werbung. Von der Firma hatten wir auch schoen oefters was gehoert und es war interessant. Wieder gab es eine zentimeterdicke Baubeschreibung und einen Festpreis: 165.000 Euro. Dafuer gab es jede Menge Garantien, zum Beispiel die Garantie, nach 5 Monaten fertig zu sein.
- Der AbwesendeDer Ordnung halber sei noch eine bundesweit agierende Hausbaufirma erwaehnt, die sehr viel Werbung macht und dessen Zweigniederlassung in Postdam/Werder wir auch mal besucht hatten. Nach dem ersten Beratungsgespraech, wo alle unsere Wuensche aufgenommen worden sind, hatte sich nie wieder jemand gemeldet. Tja, Auftragsbuecher voll oder pleite, wir wussten Bescheid.